Weltkindergipfel 2007

Fünf Jahre nach dem ersten Weltkindergipfel, bei dem sich alle teilnehmenden Staaten verpflichtet hatten, Aktionspläne für die Rechte der Kinder zu erstellen, fand 2007 in New York der zweite Weltkindergipfel statt. Dabei hat man sich – auch mit großer Beteiligung von Kindern und Jugendlichen – mit der Frage beschäftigt, was sich seit 2002 verändert hat und welche Maßnahmen die einzelnen Staaten gesetzt haben, um Kinderrechte umzusetzen.
Weiterführende Informationen
Bericht des UN-Generalsekretärs "Children and the Millennium Development Goals - Progress towards a World Fit For Children" zum Download
Zur Lage der Kinder in Industriestaaten

Der vom UNICEF-Forschungszentrum in Florenz veröffentlichte Bericht „ Zur Lage der Kinder in Industriestaaten“ hat das Wohlbefinden von Kindern in 21 OECD-Ländern anhand von 6 Dimensionen ermittelt:
Materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung, Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen, Lebensweise und Risiken und subjektives Wohlbefinden.
Der Bericht zeigt sehr gut, dass jedes Land seine Schwächen hat, die angegangen werden müssen, denn kein einziges Land befindet sich in allen 6 Dimensionen unter den ersten drei Rängen. Es kann kein Land von sich behaupten, alles Mögliche für seine Kinder zu tun, wenn es andere Länder gibt, die bessere Werte erzielen.
Besonders interessant ist die Tatsache, dass Wirtschaftskraft und Kindeswohl nicht in direktem Verhältnis zueinander stehen – so steht Tschechien in der Gesamtbewertung vor Frankreich, Portugal oder Österreich.
Es handelt sich bei dem Bericht um die erste multidimensionale Untersuchung über das Kindeswohl in den Industriestaaten und Zweck dieser Untersuchung ist es, einen internationalen Vergleich herzustellen um sehen zu können, wo ein bestimmtes Land im Vergleich zu anderen steht. Insofern bietet er keine Erklärungen für die unterschiedlichen Bewertungen an – er soll dazu dienen, die Diskussion im eigenen Land voranzutreiben. Der UNICEF-Bericht basiert auf Daten, die international vorhanden sind – dadurch kommen für das Wohlbefinden des Kindes essentielle Bereiche wie z.B. die frühkindliche Entwicklung und das emotionale Befinden zu kurz. Ein weiteres Ziel ist es, auf derartige Defizite aufmerksam zu machen und die Forschung im eigenen Land anzuregen.
Österreich liegt in diesem internationalen Vergleich nur auf Platz 18 von 21, während die Niederlande als kinderfreundlichstes Land gelten, gefolgt von Schweden, Dänemark und Finnland. Hinter Österreich liegen lediglich Ungarn, die USA und England.
- Materielles Wohlbefinden: Mit Platz 8 von 24 liegt Österreich noch im oberen Drittel. Die materielle Situation wurde anhand von mehreren Indikatoren untersucht: Erstens wurde der Anteil an Kindern, die in Haushalten leben, denen weniger als 50% des nationalen Durchschnittseinkommens zur Verfügung steht, ermittelt – dieser liegt in Österreich bei 13%. Hier liegt Österreich im internationalen Vergleich auf Platz 14 von 24. Der Anteil an Kindern, die in Haushalten leben, in denen kein Erwachsener einer bezahlten Arbeit nachgeht, ist in Österreich mit 2% sehr gering (Platz 4 von 24). Der Anteil an 11-, 13- und 15-Jährigen, die angeben, in ärmeren Verhältnissen zu leben, liegt bei 17% (Österreich auf Platz 11 von 20). Weiters wurde festgestellt, wie hoch der Anteil an 15-Jährigen ist, die angeben, weniger als 6 Besitztümer zu Bildungszwecken (Computer, Internetverbindung, Schreibtisch, Wörterbuch, Taschenrechner, Schulbücher, Software) zu besitzen – dieser Anteil liegt ebenfalls bei 17%, allerdings liegt Österreich hier mit Platz 3 von 24 im Spitzenfeld. Hingegen ist der Anteil an 15-Jährigen, die angeben, weniger als 10 Bücher zu besitzen, mit 9% relativ hoch im internationalen Vergleich – Österreich belegt hier Rang 16 von 24.
- Gesundheit und Sicherheit: Österreich belegt in der Gesamtbewertung nur Platz 23 von 25. Mit einer Kindersterblichkeitsrate von 4,5 Todesfällen von 1000 bei den unter 1-jährigen Kindern liegt Österreich im schlechteren Mittelfeld auf Platz 15 von 25. Der Anteil an Babys, die mit zu geringem Geburtsgewicht auf die Welt kommen, ist mit 7% im internationalen Vergleich sehr hoch – hier liegt Österreich auf Platz 19 von 25. An letzter Stelle liegt Österreich, wenn es um den Anteil an Kindern im 2.Lebensjahr geht, die gegen die gängigsten Krankheiten geimpft sind – im Schnitt sind nur 80% der Kinder im 2. Lebensjahr gegen Masern, Diphtherie und Polio geimpft. Was Todesfälle durch Unfälle betrifft, liegt Österreich auf Platz 16 von 25 – 15 von 100.000 Kindern unter 19 Jahren sterben durch Unfälle. Bei der zweiten Dimension blieben allerdings aufgrund von Datenmangel besonders wichtige Faktoren wie die emotionale Gesundheit oder die frühkindliche Entwicklung unberücksichtigt.
- Bildung: Auch in diesem Bereich belegt Österreich in der Gesamtbewertung nur Platz 22 von 24. Bei den schulischen Leistungen von 15-Jährigen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften liegt Österreich im unteren Bereich bei Platz 17 von 25. Auch der Anteil an 15-19-Jährigen, die einer weiterführenden Ausbildung nachgehen, ist mit 77% im internationalen Vergleich sehr gering (Platz 19 von 23). Weiters ist jeder 10.österreichische Jugendliche im Alter von 15-19 Jahren weder in Ausbildung noch berufstätig, was Österreich im internationalen Vergleich nur auf den vorvorletzten Platz bringt. Jeder dritte 15-Jährige hat das Gefühl, später einer unterqualifizierten Arbeit nachgehen zu werden – auch hier liegt Österreich nur auf Platz 18 von 25.
- Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen: In der Gesamtbewertung liegt Österreich auf Platz 16 von 21. Hier wurde erstens der Anteil an 11-, 13- und 15-Jährigen ermittelt, die in Single-Haushalten aufwachsen: mit 13,5% liegt Österreich im internationalen Vergleich auf Platz 10 von 21. 7,5% der österreichischen 11-, 13- und 15-Jährigen wachsen in Pflegefamilien auf (Platz 10 von 25). Weiters wurden 15-jährige Jugendliche gefragt, wie oft sie pro Woche zusammen mit ihren Eltern essen würden: nur 68% gaben an, mehrmals pro Woche mit ihren Eltern gemeinsam eine Mahlzeit einzunehmen – hier liegt Österreich auf Platz 21 von 25. Noch geringer ist der Anteil an 15-Jährigen, die angeben, dass ihre Eltern mehrmals pro Woche „einfach so“ mit ihnen reden würden – nicht einmal jeder zweite Befragte konnte hier zustimmen (Österreich auf Platz 22 von 25). Hingegen ist der Anteil an 11-, 13- und 15-Jährigen, die Gleichaltrige als „nett und hilfsbereit“ empfinden, mit 77% verhältnismäßig hoch (Österreich auf Platz 3 von 25).
- Lebensweise und Risiken: Auch hier liegt Österreich in der Gesamtbewertung nur auf Platz 16 von 21. Im Bereich Verhalten im Hinblick auf Gesundheit und Ernährung liegt Österreich mit Platz 8 von 25 im oberen Drittel. Mehr als die Hälfte der 11-, 13- und 15-Jährigen frühstückt täglich und mehr als ein Drittel der gleichen Altersgruppe isst den Angaben zufolge täglich Obst. An über 4 Tagen pro Woche üben 11-, 13- und 15-Jährige sportliche Aktivitäten aus, was im internationalen Vergleich ein gutes Ergebnis darstellt. Allerdings halten sich 12% der befragten 11-, 13- und 15-Jährigen für übergewichtig.
Im Bereich Risikoverhalten liegt Österreich auf Platz 11 von 21 – kritisch sind hier die Ergebnisse bezüglich Rauchen und Alkoholkonsum: 13% der 11-, 13- und 15-Jährigen gaben an, mehrmals pro Woche zu rauchen und 15% derselben Altersgruppe gaben an, zwei- oder mehrmals betrunken gewesen zu sein. Was den Cannabiskonsum und das Sexualverhalten betrifft, so sind die Ergebnisse in Österreich im Vergleich zu den anderen Industriestaaten nicht beunruhigend. Lediglich die Fertilitätsrate bei jugendlichen Mädchen im Alter von 15-19 ist verhältnismäßig hoch – 22 von 1000 Mädchen in Österreich haben schon selber Kinder.
Erschreckend sind die österreichischen Ergebnisse im Bereich Gewalt: 39% der 11-, 13- und 15-Jährigen gaben an, innerhalb der letzten 12 Monate in Schlägereien verwickelt gewesen zu sein und fast jeder zweite dieser Altersgruppe (44%) soll innerhalb der letzten zwei Monate Opfer von „Bullying“ gewesen sein – dabei handelt es sich um eine Art Mobbing unter Schülern. - Subjektives Wohlbefinden: Überraschenderweise liegt Österreich in der Gesamtbewertung dieser Dimension auf Platz 4 von 20 – lediglich in der Bewertung der eigenen Gesundheit schneidet Österreich mit Platz 15 von 20 eher schlecht ab, denn 16% der 11-, 13- und 15-Jährigen bezeichnen ihren Gesundheitszustand als schlecht. Über ein Drittel derselben Altersgruppe gibt an, gerne in die Schule zu gehen – hier liegt Österreich mit Platz 2 im Spitzenfeld. Fast 90% der 11-, 13- und 15-Jährigen sind mit ihrem Leben zufrieden; nur wenige fühlen sich wie Außenseiter, fehl am Platz oder einsam.
Problemzonen zeigen sich in Österreich in folgenden Bereichen: Viele Kinder kommen mit zu geringem Geburtsgewicht auf die Welt; nur 80% der Kinder im 2. Lebensjahr sind gegen Masern, Diphtherie und Polio geimpft.
Im Bereich Bildung sind die schulischen Leistungen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften unterdurchschnittlich und nur 77% der österreichischen Jugendlichen gehen in weiterführende Schulen. 10% befinden sich weder in Ausbildung noch gehen sie einer beruflichen Tätigkeit nach.
Auch in punkto Beziehungen zu Eltern sind Mängel zu beobachten: so essen nur 68% mehrmals pro Woche zusammen mit ihren Eltern und nur 47% der österreichischen Kinder und Jugendlichen verbringen Zeit damit, einfach mit ihren Eltern zu reden.
Fast 12% der Kinder in Österreich halten sich für übergewichtig; über 13% rauchen mehrmals pro Woche. Die Teenagergeburtenrate ist verhältnismäßig hoch und fast 40% waren in den letzten 12 Monaten in Schlägereien verwickelt und 44% wurden in den letzten 2 Wochen zu Opfern von „Bullying“.
Weiterführende Informationen
Der Bericht "An overview of child well-being in rich countries" zum Download
Power Point Präsentation zum Download
Quellenangaben des Berichts zum Download
Presseaussendung zum Bericht vom 14.02.2007
Weltkindergipfel 2002

Beim Weltkindergipfel 2002 verpflichteten sich die Staats- und Regierungschefs auf einen Aktionsplan, um die Welt zu einem besseren Ort für Kinder zu machen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinten Nationen konnten sich Kinder und Jugendliche direkt an die UN-Generalversammlung wenden. 400 Buben und Mädchen aus der ganzen Welt kamen nach New York, um den Erwachsenen ihre Vorstellungen von einer kindgerechten Welt zu erklären.
Weiterführende Informationen
Download “A World Fit for Children”
(Inhalt: Millenniumsziele; Dokumente des Weltkindergipfels; Text der Kinderrechtskonvention)
Eine Generation auf Distanz
Repräsentative UNICEF-Umfrage unter Kindern und Jugendlichen in 35 Ländern Europas und Zentralasiens
Berlin/Wien, 16. Mai 2001 – Kinder und Jugendliche in Europa und Zentralasien haben gleichermaßen wenig Vertrauen in ihre Regierungen und führende Politiker. Dies ist ein Ergebnis der größten repräsentativen Meinungsumfrage in 35 Staaten der Region, die UNICEF heute in Berlin vorstellte. Danach haben weniger als 30 Prozent der 9 bis 17-jährigen Vertrauen in ihre Regierung. Nur geringfügig größer ist das Vertrauen in führende Politiker wie Staatspräsidenten. Die Befragung dokumentiert eine länderübergreifende Politikmüdigkeit der jungen Generation in West und Ost: Lediglich vier von zehn Heranwachsenden sind der Meinung, dass Wahlen dazu beitragen können, die Situation in ihren Ländern zu verbessern. Gleichzeitig sagen 30 Prozent, dass sie bei sie betreffenden Fragen beteiligt werden möchten. Mehr





