UNICEF-Bericht zum 20. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention

Kinderrechte weltweit zu wenig beachtet/Finanzkrise verschärft Not der Kinder
UNICEF zieht zum 20. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention eine kritische Bilanz zur weltweiten Lage der Kinder. Bis heute werden nach Einschätzung von UNICEF Millionen Kindern elementare Rechte auf Überleben, Bildung, Schutz und Beteiligung vorenthalten. So fehlen jedem zweiten Kind auf der Welt grundlegende Dinge für Überleben und Entwicklung wie ausreichende Nahrung, Schulbildung oder sauberes Wasser. Viele dieser Kinder sind auch besonders von den Folgen der globalen Finanzkrise, von Unterernährung, dem Klimawandel und wachsenden sozialen Gegensätzen bedroht.
Anlässlich des Jubiläums der Kinderrechte legt UNICEF eine Sonderausgabe seines Jahresberichts „Zur Situation der Kinder in der Welt“ vor. „Die Konvention über die Rechte des Kindes ist weltweit der am häufigsten ratifizierte Menschenrechtsvertrag“, sagte UNICEF-Direktorin Ann M. Veneman. „Sie hat die Art und Weise verändert, wie Kinder überall auf der Welt gesehen und behandelt werden.“
Die UN-Kinderrechtskonvention hat weltweit das Bewusstsein für Kinderrechtsverletzungen geschärft und Gesetzesänderungen ausgelöst. Sie hat auch dazu beigetragen, dass Kinder heute ernster genommen werden. Doch bis heute ist die Verpflichtung der Regierungen, das Wohl von Kindern bei allen sie betreffenden Entscheidungen vorrangig zu behandeln, nicht eingelöst. Dabei erfordern gerade die aktuellen Herausforderungen entschlossenes Handeln für die Kinder:
- Finanzkrise: Der Einbruch der Weltwirtschaft verschärft das Ausmaß von Armut, Hunger und Krankheiten bei Kindern in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Fast die Hälfte dieser Länder hat nach Einschätzung von UNICEF keinerlei soziale Sicherungssysteme für die betroffene Bevölkerung.
- Hunger: Aufgrund hoher Nahrungsmittelpreise und Missernten steigt die Zahl der unterernährten Kinder. Rund 200 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind durch chronischen Nahrungsmangel in ihrer Entwicklung geschädigt. Heute geben die ärmsten Familien zwischen 60 und 70 Prozent ihres Einkommens für Nahrung aus.
- Klimawandel: Die ärmsten Kinder sind am härtesten von Naturkatastrophen in Folge des globalen Klimawandels betroffen. Das Krankheitsrisiko für Kinder durch starke UV-Strahlung und Infektionen wie Lungenentzündung, Durchfall und Malaria wächst.
- Wachsende soziale Gegensätze innerhalb der Staaten führen dazu, dass überall auf der Welt benachteiligte Kinder mehr und mehr abgehängt werden. Dies gilt besonders für Kinder aus armen Familien, Kinder mit Behinderungen, Kinder von Minderheiten sowie für viele Mädchen.
„Es ist inakzeptabel, dass Kinder noch immer an vermeidbaren Krankheiten wie Lungenentzündung, Malaria, Masern und Unterernährung sterben“, sagte Veneman. „Viele Kinder dieser Welt werden nie eine Schule von innen sehen und Millionen mangelt es an Schutz vor Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung, Diskriminierung und Vernachlässigung.“
Welche Kinder sind besonders bedroht?
UNICEF weist mit seinem Jahresbericht darauf hin, dass die Lebensbedingungen für Kinder im südlichen Afrika und in Asien am härtesten sind. Doch kommen Verletzungen der Kinderrechte überall auf der Welt vor: in reichen genauso wie in armen Ländern. Bestimmte Gruppen von Kindern sind dabei besonders bedroht:
- Mädchen - Weltweit hat sich der Anteil der Mädchen, die zur Schule gehen, zwar erhöht. Trotzdem ist die Mehrzahl der 101 Millionen Kinder ohne Schulbildung weiblich. Eine Studie von UNICEF in 18 afrikanischen Staaten ergab, dass nur die Hälfte der Kinder, deren Mütter keine Schule besucht hatten, zur Schule gehen - gegenüber 73 Prozent der Kinder gebildeten Mütter. Die Investitionen in Grundbildung insbesondere für Mädchen müssen weltweit erhöht werden.
- Kinder aus armen Familien haben überall schlechte Bildungschancen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie schon in jungen Jahren arbeiten müssen, ist zum Beispiel in Bolivien oder Nicaragua sechsmal so hoch wie bei den Altersgenossen aus wohlhabenden Familien. Der Kampf gegen Kinderarmut und den Ausschluss von benachteiligten Kindern muss überall Priorität haben.
- Kinder in ländlichen Gebieten haben oft keinen Zugang zu medizinischer Hilfe, sauberem Wasser oder Schulbildung. Nicht einmal die Hälfte der Landbevölkerung in den Entwicklungsländern verfügt über sanitäre Anlagen. Es muss mehr für die ländliche Entwicklung getan werden - dazu gehört auch eine bessere Gesundheitsversorgung für Kinder und Frauen sowie gute Schulen.
- Kinder mit Behinderungen erhalten häufig keine ausreichende Unterstützung und sind besonders von Missbrauch, Diskriminierung und Ausschluss bedroht. Aktionspläne und Maßnahmen für Kinder müssen die Rechte und Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen einbeziehen.
- Kinder aus ethnischen Minderheiten und indigenen Familien werden vielfach stark vernachlässigt. In Lateinamerika zum Beispiel werden viele dieser Kinder bei der Geburt gar nicht erst registriert. Die Rechte von Kindern aus ethnischen Minderheiten und indigenen Völkern müssen gestärkt werden - zum Beispiel durch Bildungsprogramme und mehr Beteiligungsmöglichkeiten.
Die Konvention über die Rechte des Kindes wurde lange und mühsam erkämpft. Sie stellt die Weichen für eine Welt, in der alle Kinder ihre Rechte wahrnehmen können. Um die Vision der Konvention für alle Kinder zur Realität werden zu lassen muss die Konvention das Leitprinzip für alle Menschen dieser Welt sein.
Der Jahresbericht enthält weiter Essays von Experten, darunter auch EU-Kommissarin für Außenbeziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik, Dr. Benita Ferrero-Waldner mit „Where they should be: Putting children high on the political agenda“.
The State of the World's Children - Special Edition: Celebrating 20 Years of the Convention on the Rights of the Child zum DOWNLOAD
The State of the World's Children - Special Edition: Celebrating 20 Years of the Convention on the Rights of the Child. Executive Summary zum DOWNLOAD
Zur Lage der Kinder in der Welt - Sonderausgabe: 20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention. Zusammenfassung zum DOWNLOAD
MEHR zu 20 Jahre Kinderrechte
MEHR zu 20 Years - The Convention on the Rights of the Child
Die Kinder und ihre Rechte
Alle Kinder auf der Welt erhielten mit der Konvention verbriefte Rechte - auf Überleben, Entwic
klung, Schutz und Beteiligung. Die Kinderrechtskonvention formuliert weltweit gültige Grundwerte im Umgang mit Kindern, über alle sozialen, kulturellen, ethnischen oder religiösen Unterschiede hinweg. Und sie fordert eine neue Sicht auf Kinder als eigenständige Persönlichkeiten. Alle Staaten mit Ausnahme der USA und Somalias haben die Konvention ratifiziert.
In zwei Jahrzehnten ist die Konvention zum politischen Rahmen für alle Anstrengungen geworden, die Lebenssituation der Kinder zu verbessern. Sie hat das Bewusstsein für Verstöße gegen die Grundrechte der Kinder geschärft, doch täglich werden weiter die Rechte von Millionen Buben und Mädchen verletzt. Die Konvention hat die Kinderrechte gestärkt, aber die Herausforderungen zu ihrer Verwirklichung für jedes Kind bleiben groß.
Einige Schlaglichter
- Starben im Jahr 1990 noch 13 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag, sind es heute noch knapp 9 Millionen.
- Zwischen 1990 und 2006 haben über 1,6 Milliarden Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten.
- Heute gehen etwa 84 Prozent aller Kinder im Grundschulalter zur Schule.
- Seit 1974 konnte die Impfrate für die sechs gefährlichsten Kinderkrankheiten (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern, Polio und Tuberkulose) von 5 auf fast 80 Prozent erhöht werden.
- Zwischen 2001 und 2006 wurden mehr als 95.000 ehemalige Kindersoldaten demobilisiert und wieder an ein normales Leben herangeführt.
Aber
- 19 Millionen Babys kommen mit zu niedrigem Gewicht zur Welt.
- 8,8 Millionen Kinder sterben jedes Jahr vor ihrem 5. Geburtstag.
- 4 Millionen Babys sterben innerhalb ihres ersten Lebensmonats.
- 4 Millionen Unter-5-Jährige sterben an nur drei Krankheiten: Lungenentzündung, Durchfall oder Malaria.
- 2 Millionen Kinder unter 15 Jahren leben mit HIV.
Weiters
- müssen 150 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren arbeiten.
- wurden im Jahr 2007 ca. 51 Millionen Geburten nicht dokumentiert.
- sind zwischen 500 Millionen und 1,5 Milliarden Kinder jährlich von physischen, sexuellen und/oder emotionalen Missbrauch betroffen.
- leben über eine Milliarde Kinder in Konfliktzonen, wobei 300 Millionen unter 5 Jahre alt sind.
Österreich
Österreich war eines jener Länder, die die Kinderrechtskonvention am ersten Tag (26. Jänner 1990) unterzeichnet hatte. Nach der Genehmigung durch den Nationalrat am 26. Juni 1992 wurde die Konvention am 6. August 1992 ratifiziert. 30 Tage nach der Ratifizierung ist die Kinderrechtskonvention am 5. September 1992 in Österreich in Kraft getreten, jedoch mit einem Erfüllungsvorbehalt, der eine direkte Anwendbarkeit durch Gerichte oder Behörden verhindert.
Das Zusatzprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten wurde von Österreich am 6. Sept. 2000 unterzeichnet, am 1. Feb. 2002 ratifiziert und trat somit am 12. Feb. 2002 in Kraft.
Das Zusatzprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie wurde ebenfalls am 6. Sept. 2000 unterzeichnet, jedoch am 6. Mai 2004 ratifiziert und trat daher am 6. Jun, 2004 in endgültig in Kraft.





