
Erste Schritte zurück in die Schule
Drei Monate nach dem Beben haben Kinder wieder die Chance auf Unterricht
Für viele Kinder war Montag der 5. April der ersehnte erste Schultag nach dem verheerenden Beben vom 12. Jänner. Dies sind die ersten Schritte einer landesweiten Aktion des Unterrichtsministeriums, die von UNICEF und seinen Partnern unterstützt wird: Während der nächsten zwei Monate sollen 700.000 Kinder wieder eine Schule besuchen.
„Der Bedarf nach Bildung ist in Haiti sehr hoch“, sagte Francoise Gruloos-Ackermann, Leiterin von UNICEF Haiti. „Der heutige Tag ist ein wichtiger Schritt in die Richtung unseres Ziels und bietet Hoffnung für die vom Beben betroffenen Kinder.“
Das Beben vom 12. Jänner tötete etwa 38.000 SchülerInnen sowie 1.300 LehrerInnen und zerstörte über 4.000 Schulen sowie das Unterrichtsministerium.
UNICEF und seine Partner stellten bis jetzt 3.000 Schulzelte sowie Unterrichtsmaterial und Schulmöbel zur Verfügung. LehrerInnen nahmen an Orientierungskursen teil, ein vorläufiger Lehrplan wurde erstellt, der auch psychosoziale Unterstützung und Katastrophenschutz beinhaltet.
Helle Sonnenstrahlen finden ihren Weg durch die Löcher und Sprünge in den Mauern der Ecole Saint Therese und erhellen dunkle Klassenräume, die bis auf Schutt und Staub leer sind. Draußen, in einem tropischen Garten, sitzen die Kinder in ihren blauen Hosen und Röcken auf grün lackierten Bänken vor zwei Schultafeln. Eine große Plastikplane über den Köpfen der Kinder spendet Schatten.
Die 13-jährigen Zwillinge Jean-Raymond und Jean-Rene Michel waren daheim ruhelos und gelangweilt, unsicher und ängstlich. Nach dem Beben verbrachten sie die Tage auf der Straße und die Nächte mit weiteren sechs Familienmitgliedern in einem Zelt. Jean-Raymond weiß, dass die Katastrophe vorbei ist und dennoch hat der Bub im Inneren von Gebäuden Angst. „Als wir kamen und das Zelt sahen mochte ich es sofort“, erzählt er. „Unsere Lehrer haben es so nett für uns hergerichtet. Sogar die Bänke stehen so wie früher!“
Für Mohamed Fall, Leiter der UNICEF-Bildungsprogramme auf Haiti, ist Schule in Krisenzeiten eine Rettungsleine: „Rückkehr zur Schule ist der Schlüssel, um Hoffnung wiederherzustellen, aber es ist ein langfristiger Prozess, der von allen Partnern vollen Einsatz verlangt.“
UNICEF-Nothilfe in Haiti
UNICEF hilft den Menschen in Haiti mit einem umfassenden Nothilfe- und Wiederaufbauprogramm. Schwerpunkte sind der Kampf gegen Hunger und Unterernährung bei Kindern, der Schutz der Kinder vor Ausbeutung und Gewalt und die Einrichtung von Kinderzentren und Notschulen.
UNICEF arbeitet seit 1949 in Haiti und hat nun zusätzlich 215 Experten in das Land entsandt, die mit einer Vielzahl von Partnern zusammenarbeiten. UNICEF koordiniert die internationale Hilfe in den Bereichen Wasserversorgung, Kinderernährung, Bildung und Kinderschutz und hat bereits Tonnen an Hilfsgüter ins Land gebracht und verteilt.
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