Eine Geschichte von Tapferkeit
von Georgiana Iofciu, Psychologin in der „Close to You“-Stiftung
An einem warmen Sommertag betrat ein schüchterner Teenager das Büro der „Close to You“-Stiftung. Sein lässiger Gang und der abgeklärte Blick waren eine Maske für den sensiblen Jungen, eine Maske, die ihm hilft, weiter zu machen … so haben wir Dragos kennen gelernt.
Dragos erhielt mit 12 Jahren die Diagnose HIV-positiv. An einem kalten Wintertag erhielten seine Eltern die Bestätigung für etwas, was sie nicht einmal laut aussprechen konnten: Ihr Kind ist HIV-positiv. Ab diesem Zeitpunkt hielt die Kälte auch in ihren Herzen Einzug.
Der Schock war so groß, dass sie das Gefühl hatten, irgend etwas sei in ihnen zerbrochen: „Es bricht mir das Herz“, sagte die Mutter immer wieder.
Niemand konnte verstehen – oder gar akzeptieren – was sie herausgefunden hatten …
Plötzlich gab es keine Spielplätze mehr, keine Abenteuer – statt dessen regelmäßige Arztbesuche, Klinikaufenthalte. Und Tabletten. Viele Tabletten ...
Das Kind bekam Angst, weil es die Trauer im Gesicht der Mutter sah, das Schweigen war beklemmend – wie auch das Gefühl, dass die Eltern etwas vor ihm verschweigen.
Mit Unterstützung von Psychologen und medizinischen Personal erzählten seine Eltern Dragos schließlich von der Diagnose. Danach herrschte wieder Schweigen. Zu viele Fragen tauchten auf, die die Eltern nicht beantworten konnten, zu viele Gedanken, zu viel hilflose Wut ...
Heute nimmt Dragos an vielen Programmen teil, die von Experten unserer Einrichtung angeboten werden. Er braucht viel Unterstützung, um alles zu verarbeiten, die Art, wie er von der Diagnose erfahren hat, aber auch die psychischen, physischen und sozialen Folgen seiner Krankheit.
Gemeinsam mit anderen Betroffenen war Dragos Teil der ersten angeleiteten Gruppe, die allen dabei geholfen hat, die dunklen Momente zu überstehen, eigene Kräfte im Kampf gegen die Krankheit zu mobilisieren und die Diagnose zu akzeptieren. Die Gruppe hat sich zusammen gerauft; heute haben sie eine gute Beziehung zu einander, sind Freunde und unterstützen sich gegenseitig.
Sein selbstloses Wesen wie sein Engagement für das Thema haben dazu geführt, dass Dragos heute ehrenamtlicher Mitarbeiter der „Close to You“-Stiftung ist und sich aktiv am Kampf gegen die schreckliche Krankheit beteiligt. Er ist ein verantwortungsbewusster, engagierter junger Mann geworden, genießt aber auch alle Freuden, die das Leben bietet. Dank seiner Art ist er sehr liebenswert und ein Vorbild für alle anderen. Wenn er ein Problem hat, fragt er die Experten um Rat. Und gemeinsam suchen sie nach der besten Lösung.
Sowohl seine Familie als auch er selbst werden weiterhin Unterstützung von der Stiftung erhalten, die sich bemüht, ihnen bei all ihren Problemen liebevoll zu helfen.
UNICEF und die "Close to You"-Stiftung
UNICEF unterstützte die „Close to You“-Stiftung dabei, spezifische Maßnahmen für Jugendliche mit HIV und AIDS zu entwickeln, wie zum Beispiel: Offener Umgang mit der Diagnose, angeleitete Gruppen, psychologische Beratung, soziale Unterstützung. Seit 2004 fördert UNICEF auch die Beteiligung von HIV-positiven Jugendlichen an verschiedenen Präventionsprojekten und den Aufbau eines nationalen Netzwerks von ehrenamtlichen Mitarbeitern, an dem auch HIV-positive Jugendliche beteiligt sind.





