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90er Jahre: Eine „Kiste“ macht Schule

In den Wochen nach dem Völkermord in Ruanda 1994 steht UNICEF vor ganz neuen Herausforderungen. Nie zuvor gab es eine so große Zahl traumatisierter Kinder zu betreuen. Hunderttausende haben ihre Eltern verloren und mussten entsetzliche Gräueltaten mit ansehen.

„Die Kinder müssen so schnell wie möglich wieder in die Schule“, sagt UNICEF-Mitarbeiterin Pilar Aguilar. „Schule bedeutet Halt in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.“ Die UNICEF-Mitarbeiterin entwickelt gemeinsam mit der UNESCO eine Kiste mit dem wichtigsten Schulmaterial für Kinder in Flüchtlingscamps. Zunächst 9.000 dieser „Teacher Emergency Packages“ werden in Kenia gepackt. In jeder der stabilen Metallkisten stecken Kreide, Schiefertafeln, Hefte, Stifte und Unterrichtsmaterial für 80 Kinder und einen Lehrer. UNICEF-Botschafter Harry Belafonte sieht das Paket und gibt ihm den passenden Namen: „Das ist eine Schule in der Kiste.“

Die Erkenntnis, wie wichtig Notschulen für die Kinder gerade im Krieg, auf der Flucht oder nach Naturkatastrophen sind, hat sich durchgesetzt. Die „Schule in der Kiste“ ist heute fester Bestandteil der UNICEF-Nothilfe. In Krisengebieten wie Afghanistan, Bosnien oder Sierra Leone hat sie geholfen, Kinder in provisorisch hergerichteten Gebäuden, Zeltschulen oder im Freien zu unterrichten. In Südasien konnten dank der „Schule in der Kiste“ einen Monat nach der Tsunami-Katastrophe alle Jungen und Mädchen wieder unterrichtet werden. Allein 2004 haben zehn Millionen Kinder mit Hilfe der „Kiste“ lernen können.

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