Der Hilfskonvoi für afghanische Kinder 2001
UNICEF schickt 200 Tonnen Hilfsgüter nach Afghanistan
Hermione Youngs, in blauem Hemd und UNICEF-Schal, sieht klein aus neben den 25 farbenprächtigen, riesigen Lastwagen, die mit 200 Tonnen UNICEF-Hilfsgütern beladen sind. Aber sie sieht entschlossen aus. Dies ist der erste UN-Konvoi, der seit dem 11. September nach Afghanistan zurückkehrt. Und Hermione leitet den Konvoi.
"Ich habe viele Jahre in Afghanistan gelebt und wir benützen diese Route seit 3 Jahren, aber dies ist meine erste Reise unter solchen Umständen. Ich weiß, daß es eine extrem schwierige Reise wird, aber es könnte unsere letzte Chance vor dem Winter sein," sagt Hermione, die ihre nächsten Tage im Auto verbringen wird.
Hermione, eigentlich Verantwortliche für UNICEF-Schulprogramme, trägt die immense Verantwortung dafür, die 200 Tonnen zu den Kindern in die nordafghanische Provinz Badakshan zu bringen, darunter Hilfsgüter wie Zelte, Decken, Winterkleidung, Medikamente und Spezialnahrung.
Hermione`s Reise ist lang und schwierig: 25 Lastwagen fahren von Peshawar aus 450 Kilometer nach Chittran im Norden Pakistans. Dort werden die Hilfsgüter auf Jeeps umgeladen und über den 4.000 Meter hohen Shaa Saleem Paßgebracht. Der letzte Teil der Strecke muß auf Eseln zurückgelegt werden, da die Straßen zu eng für Fahrzeuge sind. Für diese 40 Kilometer brauchen die Esel zwei Tage. Danach wird alles wieder auf kleine Lastwagen verladen und nach Faizabad gebracht. Hier wird Hermione´s Reise zu Ende sein.
"Unsere oberste Priorität ist es, Hilfsgüter zu den afghanischen Kindern zu bringen. Die Kinder brauchen Hilfe um zu überleben. Letztes Jahr erfroren Hunderte Kinder und mehr verhungerten. Ohne entsprechende Hilfe wird es diesen Winter noch mehr Opfer geben," sagt UNICEF-Sonderbeauftragter für Afghanistan, Nigel Fisher.
Hermione´s Tagebuch
29. September 2001
Heute verließen wir Peshawar in Richtung Afghanistan. Die 25 Lastwagen fuhren den ganzen Nachmittag, wir hatten keine Probleme, alles war ruhig. Die Straße war in Ordnung und so kamen wir gut voran. Die Menschen auf unserem Weg waren sehr freundlich. Sie hatten die Abfahrt des Konvois im Fernsehen gesehen oder darüber im Radio gehört. Sie wußten also, wer wir sind und viele winkten uns zu. Um 8 Uhr abends erreichten wir die kleine Stadt Dir, wo wir die Nacht verbrachten.
30. September 2001
Heute morgen brachen wir nach einem deftigen Frühstück um 9 Uhr auf. Wir wußten, dies würde ein langer Tag werden. Wir fuhren 7 Stunden lang und schafften so 100 Kilometer. Das ist ein guter Schnitt, immerhin fuhren wir die Berge hinauf. Wir überquerten den 3.000 Meter hohen Lahori-Paß und sahen, daß die Schneefälle bereits eingesetzt haben. Während sich die Fahrt bergauf nicht allzu schwierig gestaltete, hatten wir bei der Fahrt bergab doch einige Probleme. Die Straße ist extrem schmal und wir fürchteten die ganze Zeit, daß uns ein Fahrzeug entgegenkommen könnte. Ich saß auf dem Dach eines Lastwagens - es war schrecklich, aber ich wollte den Konvoi im Auge behalten. Das Wetter war allerdings gut - sonnig und warm, also der ideale Tag um auf dem Dach eines Lastwagens zu reisen. Zwei der Wagen hatten eine Panne, wir mußten sie zur Reparatur zurücklassen und hoffen, daß sie uns morgen wieder einholen. Nun sind wir gerade in Chitral eingetroffen. Morgen fahren wir weiter nach Garam Chasma.
2. Oktober 2001
Wir verließen das Dorf Garam Chasma mit unseren 200 Tonnen Hilfsgütern auf 90 Geländefahrzeugen. Letzte Nacht arbeiteten wir uns damit bis auf 3.000 Meter Höhe voran! So werden wir auch heute und morgen weitermachen. Die Bedingungen sind momentan nicht ideal. Wir fuhren durch heftige Regenstürme auf den schmalen Straßen bergauf. Direkt neben der Straße beginnen die 1000 Meter tiefen Abhänge. Wir hoffen, daß der erste Esel Donnerstag um 4 Uhr früh vollbepackt den Sha Saleem Paß passiert und die Hilfe nach Afghanistan bringt. Die Stimmung in unserem Team ist sehr gut, alle sind mit Begeisterung bei der Sache. Da ich seit drei Jahren UNICEF-Konvois über diese Straße leite, kennen mich die Menschen und auch die pakistanischen Militärbehörden. Alle sind freundlich und wir kommen ohne größere Probleme voran.
3. Oktober 2001
Das Team ist weiterhin guter Laune, obwohl wir viel langsamer als erwartet vorankamen und das Wetter schlecht war. Ich trage zwei Pullis und eine dicke Jacke, aber ich friere trotzdem. Ich bin umringt von Hunderten Eseln und Pferden, die Futtersäcke über ihre Nasen gebunden haben. Etwa 1.000 Meter unter mir sehe ich die Lichter eine Dorfes. Wir sind auf 3.800 Meter Höhe. Die nächtliche Fahrt entlang der Abhänge war schrecklich, aber Gott sei dank ist nichts passiert. Die afghanischen Männern, die die Pferde und Esel führen haben mir für morgen ein Buzkushi-Spiel versprochen, ein Spiel, das in ganz Zentralasien bekannt ist. Die pakistanischen Behörden waren sehr hilfsbereit, ebenso wie die Polizei, das Militär und die Einheimischen. Dieser Konvoi ist eines der größten Abenteuer meines Lebens. Ich verspreche, es nächstes Jahr wieder zu tun!
4. Oktober 2001
200 Tonnen müssen in doppelten Säcken auf Esel und Pferde verladen werden! Das ganze Team arbeitet hart. Wir müssen noch eine Nacht hier verbringen. Es gibt wenig zu essen, da wir so viele sind, aber es wird sich ausgehen. Mein gestriges Abendessen bestand aus zwei gekochten Kartoffeln. Heute gab es kein Frühstück. Kalt war uns schon, nun sind wir auch noch hungrig, aber die Stimmung ist blendend! Besonders freut mich, daß wir auch Schulmaterial für die Kinder dabei haben. Wenn das neue Schuljahr im März 2002 beginnt, werden die Kinder neue Hefte, Stifte und Bücher haben.
Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende!
Österreichisches Komitee für UNICEF; PSK 15 16 500; BLZ 60.000; "UNICEF-Nothilfe"
Konkrete Hilfsgüter aus dem UNICEF SHOP FOR LIFE: zum Beispiel Wasserreinigungstabletten oder Hygienesets.
Danke! UNICEF finanziert seine Programme für Kinder ausschließlich mit freiwilligen Beiträgen.









