Syrien: Familien kehren nach Ost-Aleppo zurück

Die Freude über neue Winterkleidung ist groß.

Humanitäre Hilfe für Kinder in Ost-Aleppo dringend benötigt

Seit Anfang des Jahres kehren viele Familien in ihre Häuser in Ost-Aleppo zurück. Doch die Lebensumstände sind äußerst schwierig: Viele Häuser sind zerstört, es gibt kaum Wasser und Strom, und zahlreiche Krankenhäuser und Schulen sind außer Betrieb. Schätzungsweise 56.000 Menschen leben derzeit in Ost-Aleppo – die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche.

UNICEF-MitarbeiterInnen haben Familien in Ost-Aleppo getroffen, die zum ersten Mal seit Jahren zu ihren Häusern zurückkehren konnten. Die meisten finden nur Trümmer vor. „Alle Fenster und Türen sind durch die Bombeneinschläge zerbrochen“, erzählt eine Mutter. „Wir waren jetzt so lange bei unseren Verwandten, wir mussten nach Hause kommen“, sagt sie weiter. Die Familie hat Plastiksäcke in die Fenster- und Türrahmen gehangen - eine provisorische Reparatur im Winter.

Für viele der zurückgekehrten Familien ist die Suche nach sauberem Wasser eine große Herausforderung. Während der Kämpfe wurde fast das gesamte Wassersystem der Stadt beschädigt. Familien in einigen Teilen von Aleppo sind vollständig auf die Wasserlieferungen von UNICEF und seinen Partnern mit Tanklastwagen angewiesen.

Alaa (11): „Nirgends ist es so schön wie zu Hause“

Der elfjährige Alaa und seine Familie gehören zu den Zehntausenden, die in die Altstadt von Ost-Aleppo zurückgekehrt sind. Mehrere Monate lang hatten sie in einer Notunterkunft in West-Aleppo gelebt. Anders als die meisten Gebäude in der Umgebung wurde das Haus von Alaas Familie nicht zerstört. Aber es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Die meisten Möbel, elektrischen Geräte und sogar Wasserhähne wurden gestohlen. Alaa ist trotz allem glücklich, endlich zurückzukehren. „Nirgends ist es so schön wie zu Hause“, sagte er.

Alaa und seine Geschwister müssen täglich lange Wege auf sich nehmen, um in die Schule zu gehen oder Wasser und Nahrung zu bekommen. Sie laufen über Schutt und Trümmer durch die zerstörten Straßen, in denen oft Blindgänger liegen. Vor allem für Kinder ist die Gefahr, durch explosive Waffenreste getötet oder verletzt zu werden, besonders hoch.

Seit die HelferInnen wieder Zugang zum östlichen Teil von Aleppo haben, haben UNICEF und seine Partner jeden Tag rund um die Uhr gearbeitet, um das Leben für die Kinder in dieser zerstörten syrischen Stadt etwas erträglicher zu machen.

So hilft UNICEF:

Aufklärung über Blindgänger: UNICEF versorgt rund 55.000 Kinder in 30 Vierteln in Ost-Aleppo mit Informationsmaterialien zu Minen und Blindgängern. Hier ist die Gefahr für Kinder besonders groß, mit explosiven Überresten in Kontakt zu kommen.

Eröffnung von Schulen: Rund 4.500 Kinder besuchen in Ost-Aleppo wieder die Schule. 22 Grundschulen haben in den seit kurzem zugänglichen Vierteln geöffnet. UNICEF stellt Schulcontainer, Möbel und Lernmaterialien zur Verfügung. Es wurden spezielle Aufholkurse für Kinder entwickelt, die seit Monaten oder Jahren keine Schule mehr besuchen konnten.

Psychosoziale Unterstützung: UNICEF versorgt 35.000 Kinder in Ost-Aleppo mit psychosozialer Hilfe, damit sie sich von den schrecklichen Kriegserlebnissen erholen. Viele der Kinder haben traumatische Dinge erlebt und müssen zunächst ein Gefühl für Normalität in ihrem Leben wiederherstellen.

Schutz von unbegleiteten Minderjährigen: UNICEF hat mehr als 300 Mädchen und Buben registriert, die ihre Eltern verloren haben oder von ihnen auf der Flucht getrennt wurden. Die meisten von ihnen halten sich zusammen mit anderen Angehörigen in den Notunterkünften auf. 72 speziell dafür ausgebildete SozialarbeiterInnen kümmern sich um die unbegleiteten Kinder, helfen bei der Zusammenführung der Familien und organisieren bei Bedarf eine alternative Betreuung.

Trinkwasserversorgung: UNICEF und seine Partner beliefern mit Tanklastwagen täglich die öffentlichen Wasserstellen, Notunterkünfte und Schulen von Hanano, Al-Sakhour und Aziza im östlichen Aleppo.

Treibstoff für Wasserpumpen: UNICEF liefert durchschnittlich 15.000 Liter Treibstoff pro Tag und sichert so den Betrieb von vier Wasserpumpstationen und 90 Brunnen, die den Zugang zu sicherem Trinkwasser für 1,2 Millionen Menschen in der gesamten Stadt gewährleisten.

Wasserleitungen: Wasserleitungen, die bis zu 100.000 Menschen versorgen können, wurden in den letzten Wochen in Ost-Aleppo repariert und ausgetauscht.

Abwassersystem: UNICEF unterstützt die Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten des Abwassernetzes und installiert Toiletten in Schulen, um die Sanitär- und Hygienebedingungen für die Menschen, die nach Ost-Aleppo zurückkehren, zu verbessern.

Winterhilfe: Um Kinder vor der extremen Kälte zu schützen, hat UNICEF 51.500 Pakete mit warmer Kinderkleidung und 25.000 Decken an insgesamt über 30.000 Familien verteilt.

Gesundheits- und Ernährungsversorgung: Medizinische Hilfsgüter werden laufend zur Verfügung gestellt. 36 mobile Gesundheits- und Ernährungsteams versorgen die Kinder und ihre Familien in Notunterkünften in Aleppo. Etwa 13.000 Kinder wurden in den letzten Wochen gegen Polio geimpft. Etwa 32.000 Kinder und Frauen, die mangelernährt waren, wurden intensiv behandelt und versorgt.